Abstecher nach Brasilia

15. Oktober 2023

Von Funte Dé gab es zwei Möglichkeiten für unsere Weiterfahrt: Entweder über eine hohe Passstraße, die mit vielen Kehren über das Gebirge Picos de Europa führt oder die Fahrt zurück an die Atlantikküste. Wir haben uns für die zweite Möglichkeit entschieden und es nicht bereut. Die Küste in dieser Region besteht aus hohen, steilen Klippen, die im Laufe der Zeit von der starken Brandung ausgehöhlt und gestaltet wurden. Dazwischen findet man immer wieder kleine Badebuchten. Nur Baden war in diesen Tagen leider nicht möglich, da es einen Wetterumschwung gab und viel regnete. Wenn man ein gutes Buch hat, können ein oder zwei solcher Tage im Bus auch ganz gemütlich sein.

Aktuell richtet sich unsere Reiseplanung stark danach, wo noch offene Campingplätze zu finden sind. Gerade bei schlechtem Wetter benötigt man eine warme Dusche und ein Minimum an Infrastruktur.

Es sind entlang der nordspanischen Atlantikküste nur noch eine Handvoll Plätze geöffnet und dort treffen sich die wenigen späten Urlauber oder diejenigen, die in Portugal überwintern möchten.

Suchbild: Wo ist der braune Bus?

Kulturzentrum Avilés

Das Foto, welches diesen Bericht einleitet, scheint in der Stadt Brasilia aufgenommen zu sein. Tatsächlich ist es jedoch in Nordspanien entstanden. Der Architekt Oscar Niemeyer hat hier ein großes Kulturzentrum gebaut, das er selbst als sein liebstes Werk bezeichnete.

Wie kam es zu diesem Projekt? 1989 erhielt Niemeyer den »Prinz von Asturien Preis der Künste« und entwarf anlässlich des 25. Jubiläums der Preisverleihung dieses Zentrum, welches 2011 in Avilés eingeweiht wurde.

Avilés ist eine Stadt, die lange Zeit von der Schwerindustrie lebte. Wie in vielen europäischen Industriezentren verlagerten sich auch hier die Standorte ins Ausland oder wurden ganz geschlossen. Zurück blieb eine Stadt mit von Ruß und Rauch gefärbten Fassaden und Industrieruinen. Keine Stadt, die man gerne besuchen möchte. Und gerade hier siedelte Niemeyer sein Kulturzentrum an. Es scheint wie aus einer anderen Welt zwischen Hafen und Altstadt gelandet zu sein. Strahlend weiß und gelb, geradlinig, futuristisch. Genau das Gegenteil der umliegenden Industriearchitektur. Und genau das macht den Reiz dieser 17.000 qm großen Anlage aus.

Wie auch bei seinen anderen Projekten ließ sich Niemeyer von der Natur inspirieren. Die geschwungene Brücke ist ein Fluss, das Auditorium eine Welle, die sich bricht. Darin befindet sich ein Theater mit einer großen Bühne, die von innen und nach außen zu Platz bespielbar ist.

Auf dem Platz steht ein Turm mit spiralförmiger Treppe, die von einer runden Scheibe gekrönt wird und ein Restaurant beherbergt. Dieses Objekt symbolisiert einen Baum.

Die Kuppel, eine Halbkugel aus Spritzbeton, ist ein offener Raum mit einer Grundfläche von 4000 qm. Hier werden regelmäßig Wechselausstellungen gezeigt.

Baum und Fluss

Auditorium

Kuppel

Niemeyer charakterisiert dieses Zentrum als »einen großen Platz, der allen Männern und Frauen der Welt offen steht, eine große Theaterbühne über der Flussmündung und der Altstadt. Ein Ort der Bildung, der Kultur und des Friedens.«

Für uns eine große Überraschung, einen solchen Ort in Nordspanien gefunden zu haben.

Picos de Europa

10. bis 13. Oktober 2023

Nach den zwei Stadtbesuchen so kurz hinter einander stand uns der Sinn wieder nach mehr Natur. Unser nächster Stopp auf unserer Tour entlang der Küste von Kantabrien war der Ort San Viencente de la Barquera, wo wir auf einem Campingplatz standen, der direkt an einem Surferstrand lag.

San Viencente de la Barquera

Schon auf unserer Fahrt entlang der Küste von Kantabrien und besonders in San Viencente de la Barquera zeichnete sich im Hintergrund die Gebirgskette »Picos de Europa – Gipfel Europas« ab. Wir hatten noch nie von diesen Bergen gehört und waren schon aus der Ferne beeindruckt von diesem Kalksteinmassiv. Deshalb war schnell klar, dass dies unser nächstes Ziel sein sollte.

Picos de Europa am Horizont

Die Picos de Europa liegen Luftlinie nur etwa 25 Kilometer vom Atlantik entfernt, sind seit 1995 der größte Nationalpark Spaniens. Die Gipfel der höchsten Erhebungen reichen auf bis zu 2600 Meter. Unser Ziel war der Ort Fuente Dé, von wo aus eine Kabelseilbahn von 1070 Meter auf die Höhe von 1823 Meter geht.

Die Fahrt vom Atlantik war, wie im Reiseführer schon beschreiben, teils abenteuerlich. Besonders bei der Fahrt durch die enge Hermidaschlucht, wo man durch bis zu 600 Meter hohe Felswände fährt und man mit einem so hohen Fahrzeug wie unserem Bus sehr auf Felsüberhänge achten muss. Zum Glück fanden umfangreiche Bauarbeiten an der Straße statt, sodass der Verkehr teils einspurig geregelt wurde und somit wenig Gegenverkehr zu beachten war.

Bei der Fahrt durch die Hermidaschlucht muss man mit einem hohen Fahrzeug auf die Felsüberhänge achten

Den ersten Tag unternahmen wir nur eine kleine Wanderung durch die Bergwiesen mit Kühen und Schafen im Tal und ließen die Berge um uns herum auf uns wirken. Für den nächsten Tag planten wir eine Fahrt mit der Seilbahn und dann eine Wanderung über die Berghöhe wieder zurück ins Tal.

Pünktlich um kurz vor 10 Uhr dem Start der Bergbahnfahrten, fanden wir uns am nächsten Tag an der Talstation ein und trafen zunächst auf lange Warteschlangen. Nationalfeiertag in Spanien – letzter Tag mit gutem Wetter laut Prognose – entsprechend groß war der Andrang. Wir hatten Glück und erwischten noch ein Ticket für die Fahrt um 12 Uhr mittags.

In nur 4 Minuten brachte uns die Seilbahn, die nur an einem Kabel hängt, in die Bergwelt, wo uns klare Sicht und herrlicher Sonnenschein empfing. Atemberaubend. Bis zur Passhöhe waren außer uns viele Wanderer unterwegs. Ein Teil kehrten dann zur Bergstation zurück, andere schlugen den Weg zum Berggipfel ein, einige wenige den Weg hinunter ins Tal so wie wir.

Zunächst ging es einemWirtschaftsweg entlang, der immer neue Ausblicke auf die schroffe Gebirgslandschaft bot.

Weiter unten begegnen uns auf den Bergwiesen Kühe, Schafe und Pferde bis wir zu einem Berghotel kamen.

Freilaufende Stiere

Ab hier müssen wir uns leider den Weg ab und an mit Pickups oder Motorrädern teilen, die den Feiertag zu einem Ausflug zum Hotel oder in die Berge nutzen. Sehr unangenehm für uns, da sie uns in eine Staubwolke hüllen, wenn wir nicht da Weite suchen. Mit Erreichen der Baumgrenze verlassen wir den Wirtschaftsweg und steigen auf einem kleinen Pfad durch Eichenwälder hinab zur Talstation, die wir erschöpft, aber sehr begeistert von der Tour nach 4 ½ Stunden erreichen.

Ein weiterer Höhepunkt unserer Reise – unbedingt zu empfehlen.

Nervenkitzel …

Balkon über dem Abgrund

Eine weitere Empfehlung …

Der urige Campingplatz in Fuente Dé, der auf 1100 Metern Höhe liegt

Von San Sebastian nach Bilbao

4. bis 8. Oktober 2023

Die Aufenthalte in den Städten sind für uns immer mit einem kleinen logistischen Kraftakt verbunden. Falls es Campingplätze gibt, liegen diese meist weiter außerhalb und die Stadt muss mit öffentlichen Verkehrsmitteln angesteuert werden. Klar, Google Maps hilft prima bei der Verbindungssuche, aber mit den Tücken der jeweiligen Fahrkartenautomaten muss man sich dennoch herumschlagen. Stellplätze für Wohnmobile sind größtenteils zentraler gelegen, jedoch oft überfüllt. Freistehen wird in französischen und spanischen Städten nicht empfohlen, denn Wohnmobile werden oft und gerne aufgebrochen, da die Diebe wissen, dass es dort immer etwas zu holen gibt. Schließlich fährt man im Camper seinen kompletten mobilen Hausstand durch die Gegend.

San Sebastian

In San Sebastian haben wir relativ zeitig einen öffentlichen Stellplatz für Wohnmobile angesteuert und dort tatsächlich den letzten Platz ergattert. Wir stehen ungern auf solchen Plätzen. Es ist dort sehr eng und manchmal auch laut. Manchmal werden die Plätze von unerschütterlichen Optimisten noch spät in der Nacht angesteuert, die nicht auf die Idee kommen auszusteigen, um einen Platz zu suchen, sondern mit laut aufheulendem Motor die Reihen abfahren. Es gibt dort meist keinerlei sanitären Einrichtungen, keine Möglichkeiten abzuwaschen und keinen Strom: Was für die großen Mobile kein Problem darstellt, für die Reisenden in Kleinbussen jedoch schon. Allerdings gibt es in den spanischen Städten öffentliche Duschen und öffentliche Toiletten, die überwiegend sehr gepflegt sind.

San Sebastian glänzt durch eine tolle Lage. Die Stadt liegt gleich an zwei Buchten, die über beeindruckende Sandstrände verfügen. Stand und Strandpromenade waren jetzt im Oktober noch überraschen gut besucht. Entlang der Promenade gibt es viel wohlhabende Bäderarchitektur zu sehen.

Die typisch spanische Altstadt mit ihren hohen engen Gassen verfügt über eine Besonderheit: Die Bars ,in denen Pintxo anboten werden, wie die Tapas hier genannt werden, reihen sich in der historischen Altstadt aneinander. Auf den Tresen stapeln sich kunstvoll belegte Weißbrotscheiben. Man sollte jedoch nicht allzu hungrig eine solche Bar betreten. Die kleinen Brotstückchen kosten meist zwischen 4 und 7 Euro. Es kann also ein kleines Vermögen kosten, sich hier satt essen zu wollen.

Ansonsten verfügt San Sebastian über keine kulturellen Besonderheiten mit besonderer Strahlkraft.

Der zentrale Platz in der Altstadt: Die Balkone sind nummeriert. Sie dienten als Logen, als hier noch Stierkämpfe abgehalten wurden.

Bilbao

Das verhält sich in Bilbao ganz anders: Hier gibt es das Guggenheim Museum, welches rund eine Million Reisende jährlich in die Stadt lockt. Man spricht hier vom sogenannten Bilbao-Effekt. Der Bau des Museums hat dauerhaft für tausende von Arbeitsplätzen in der Gastronomie und der Hotelbranche gesorgt. Ohne das Guggenheim-Museum kämen vermutlich nur wenige Reisenden auf die Idee, das »Manchester Spaniens« zu besuchen.

Das Guggenheim-Museum, welches Frank O. Gehry geplant wurde, zieht gleichermaßen Liebhaber von Architektur und Kunst an. Das Gebäude ist selbst ein Kunstobjekt, das die Besucher in Erstaunen versetzt, aber auch polarisiert.

Die Außenfassade des Guggenheim-Museums besteht aus Titanplatten

Ich habe mich Anblick der ineinander verschachtelten Formen gefragt, wie man vor mehr als 25 Jahren – in einer Zeit als es noch keine 3D CAD Programme gab – ein solches Gebäude entwerfen und bauen konnte.

Im Innern findet man die monumentalen Stahlskulpturen von Richard Serra, die extra für diesen Museumsbau entwickelt und gefertigt wurden.

Aktuell wurden Sonderausstellungen von Picassos Skulpturen und den Werken von Yayoi Kusama gezeigt.

Neben allem dem Positiven, welches über den Besuch der Ausstellungen im Guggenheim-Museum gesagt werden kann, gibt es auch einen negativen Aspekt und dies ist einerseits die Flut an Besuchern und andererseits die unglaubliche Lautstärke, die in manchen Ausstellungsräumen herrschte.

Sonderausstellungen mit Skulpturen Picassos…
… und Werken von Yayoi Kusama

Auch unser Besuch in Bilbao erforderte eine gute Vorbereitung: Tickets für die Ausstellung und ein Stellplatz mussten online gebucht werden. Solche Onlinebuchungen sind unterwegs nicht immer einfach zu realisieren. So erhielten wir vom Stellplatz in Bilbao eine Word-Datei auf Spanisch, die wir zunächst konvertieren, übersetzen und dann schnellstens auf dem Handy ausfüllen und spätestens 48 Stunden vor dem geplanten Eintreffen wieder zurücksenden mussten. Am Ende hat alles gut geklappt, aber wir investieren für solche Vorbereitungen viel mehr Zeit, als wir dies vor unserer Reise geahnt hatten.

Sechs Monate auf Achse

10. Oktober 2023

Es ist kaum zu glauben: Wir sind mittlerweile ein halbes Jahr unterwegs. In dieser Zeit sind wir von größeren Katastrophen verschont worden und hoffen, dass dies auch so bleibt. Kleine Unglücke passieren auf so einer langen Reise natürlich immer: Gerade heute hat Kathrin ihre Sonnenbrille verloren. Aber wir hatten bislang keine Pannen und keine Unfälle. Zweimal sind wir mit der Heckbox beim Zurücksetzen angeeckt und die Alubox hat ein paar Beulen abbekommen, aber solche kleinen Blessuren waren zu erwarten.

Der VW Bus und der Campmobil-Ausbau hat bislang alles klaglos weggesteckt. Immerhin haben wir bislang etwa 16.000 Kilometer zurückgelegt. Mehr als 2000 Kilometer davon haben wir mit unseren Klapprädern bewältigt und dabei über 13.000 Höhenmeter überwunden.

Die Fahrräder sind für uns ein enorm wichtiges Fortbewegungsmittel, um die nähre Umgebung zu erkunden

Die Wege waren sowohl für die Fahrräder, als auch für den Bus nicht immer einfach.

Gerade gestern hätten wir uns fast in Bilbao festgefahren. Unser Stellplatz lag etwa 200 Meter über der Innenstadt.

Unser Navi hatte für den Rückweg spontan eine Strecke ausgewählt, die für den Bus gänzlich ungeeignet war und ich hatte ein Schild übersehen, dass die Straße für Fahrzeuge über 5 Meter Länge verboten war. (Mit Heckbox sind wir fast 6 Meter lang). Die Gasse wurde immer enger und bekam mehr als 15 Grad Gefälle. Zurücksetzen war unmöglich und hinter mir hupte bereits ein PKW. Also mussten wir da durch. Dachkanten ragten über den Weg und kamen dem Hochdach des Bullis gefährlich nahe und einmal senkt sich die Straße so abrupt in die Tiefe, dass ich befürchte, mit dem Unterboden aufzusetzen. Man wusste nie, wie es hinter der nächsten Biegung weitergehen würde. Es ist zum Glück alles gut gegangen und wir sind um eine Erfahrung reicher. Wir werden zukünftig in Ruhe prüfen, ob der Streckenvorschlag des Navis für unser Fahrzeug geeignet ist. In diesem speziellen Fall waren wir wieder einmal froh, mit einem vergleichsweise kleinen Fahrzeug unterwegs zu sein. Mit einem größeren Wohnmobil wären wir sicherlich stecken geblieben und eine solche Erfahrung möchte ich auf gar keinen Fall machen.

Das Besondere an unserer Langzeitreise ist, dass wir keinen festen Routen- und Zeitplan haben. Oft genießen wir es, uns treiben zu lassen und sind sehr zufrieden mit all dem, was wir erleben und entdecken können. Aber es gibt auch Zeiten, wo uns diese Planlosigkeit anstrengt. Da fallen uns Entscheidungen, wie es weitergehen soll bei der Fülle an Möglichkeiten in so großen Ländern wie Frankreich oder Spanien schwer.

Was müssen oder wollen wir weglassen? Wie viel Zeit nehmen wir uns für einzelne Orte, was reservieren wir vor und wie legen wir uns damit zeitlich fest? Wenn wir dann noch unterschiedlicher Meinung sind …

Wir informieren uns gerne im Internet oder mithilfe von Online-Reiseführern und wir berücksichtigen Tipps von anderen Reisenden.

In der letzten Zeit haben wir nach unserem Gefühl aber zu viel Zeit mit der Planung und der Recherche nach offenen Campingplätzen, nach Übernachtungsmöglichkeit in Städten oder nach Einkaufsmöglichkeiten spezieller Dinge wie Gaskartuschen verbracht. Hinzu kam noch, dass wir uns teils durch Vorreservierungen festgelegt haben, was nicht immer ganz glücklich war. Und so mancher Zeitplan funktioniert nicht wie gedacht, zum Beispiel aufgrund von Feiertagen oder individueller Öffnungszeiten von Museen.

Die Reisenden spiegeln sich in einer Installation von Jeff Koons im Gugenheim-Museum: Dazu bald mehr

Und mancher Campingplatz, auf dem wir eine längere Zeit verbringen wollten, entpuppt sich als ungeeignet, während wir auf anderen gerne länger geblieben wären.

Manche Campingplätze an Surf-Spots sind auch in der Nachsaison brechend voll

Das trübt an manchen Tagen die Reiselust, bringt uns aber auch in Austausch über die Frage: wie soll es weiter gehen. Wir sind auf uns gespannt.

Blick von einem Campingplatz am Atlantik auf einen tollen Surf-Spot

Was sonst noch passierte

Vor unserer Städtetour nach San Sebastian und Bilbao haben wir noch einen dreitägigen Stopp auf einem wunderschönen Platz in Sunbilla verbracht, der auf einer Bergkuppe inmitten eines lichten Eichenwaldes lag. Dort waren kleine Esel unsere täglichen Gäste. Wir brauchten unbedingt einige Tage zum Entspannen und für Haushaltstätigkeiten.

Unsere täglichen Gäste

An diesem Ort haben konnten wir an zwei Tagen eine Fahrradtour auf einer stillgelegten Bahntrasse unternehmen. Die Route heißt Via Verde und ist Teil des europäischen Fernradwanderwegs, der am Nordkap beginnt und im portugiesischen Sagres endet.

Die Strecke führt mit sehr geringen Steigungen und durch einige Tunnels entlang des Flusses Bidasoa. Wieder eine unserer Entdeckungen und eine klare Empfehlung.

Pamplona

4. Oktober 2023

Unser Abstecher in die Pyrenäen führte uns durch die Stadt Pamplona, die 74 v. Chr. auf einer Hochebene gegründet wurde und der Absicherung des strategisch wichtigen Pyrenäenüberganges von Roncesvalles diente. Hier treffen wir auch wieder auf den Jakobsweg, dem wir vor einigen Tagen nach der Überquerung der Passhöhe schon ein Stück gefolgt sind.

Altstadt von Pamplona

Bekannt ist die Stadt vor allem durch das alljährlich stattfindende religiöse Fest Sanfermines. Während einer Prozession werden Gigantes, überlebensgroße Pappmachéfiguren, durch die Stadt getragen. Die Teilnehmer der Prozession sind weiß gekleidet und tragen rote Halstücher und Schärpen.

Während der Sanfermines finden auch die berühmten Stierläufe statt. Dabei werden die Stiere durch die Straßen der Innenstadt getrieben. Mutige Teilnehmer*innen können an diesem Lauf teilnehmen und dürfen dabei weder stehenbleiben noch rückwärts ausweichen. Die Stierläufe sind sehr gefährlich: Jedes Jahr werden dabei Menschen verletzt oder getötet. Am Abend werden die Stiere in die Arena geschickt und dabei im Kampf durch die Matadore getötet.

Stierkampfarena von Pamplona

Besondere Bekanntheit erhielten die Stierläufe durch den Roman »Fiesta« von Ernest Hemmingway, der einige Zeit in Pamplona verbrachte.

Rechts: Ernest Hammingway

Natürlich sind die Stierläufe und Stierkämpfe sehr umstritten und Tierrechtsvereinigungen setzen sich heute dafür ein, diese zu verbieten. Dies wird jedoch schwer durchsetzbar sein, da die Stierkämpfe in Spanien eine Jahrhunderte alte Tradition besitzen.

Einer der berühmtesten und gefährlichsten Stiere wurde der Nachwelt erhalten

Auch wir hatten vor unserem Besuch in der Stierkampfarena die Meinung, dass Stierkämpfe nicht mehr zeitgemäß sind. Die Ausstellung in der Arena vermittelte uns jedoch ein Bild, dass uns zeigt, dass es hier nicht nur um die brutale Tötung von Tieren geht. Nur wenige Tiere entsprechen den Auswahlkriterien, um später als Kampfstiere eingesetzt zu werden. Sie werden gehegt und gepflegt und landen nicht – wie die meisten ihrer Artgenossen – nach kurzer Aufzucht im Schlachthof, sondern nach einem Leben auf offenen Weideland, in der Arena.

Während einer Wanderung auf dem Jakobsweg sahen wir diese beiden Stiere, die ihre Kräfte maßen

Hier geht es um einen Wettstreit zwischen Mensch und Tier und dieser wird nicht in jedem Fall vom Mensch gewonnen, sonst wäre es vermutlich auch eine langweilige Veranstaltung. Es erinnert etwas an die Gladiatorenkämpfe, die in den Arenen des römischen Reiches stattfanden.

Nach diesem Besuch haben wir mal wieder generell über die Tötung von Tieren nachgedacht und kommen zu unterschiedlichen Standpunkten. In unserer Diskussion spielte die Frage eine Rolle, was am Ende grausamer ist: die industrielle Aufzucht und Tötung von Millionen von Tieren oder dieses Kräftemessen zwischen Mensch und Tier. Außerdem fragen wir uns, weshalb dieser Kampf unbedingt mit dem Tod der Tiere enden muss.

Pamplona ist aus unserer Sicht im Übrigen eine besonders schöne Stadt, mit vielen lebhaften Gassen und kleinen Geschäften und Bars, die nicht vorrangig auf die Bedürfnisse von Touristen ausgerichtet sind und in denen man viele Einheimische trifft.

Gewöhnen müssen wir uns allerdings an die ausgedehnten Siesta-Zeiten: Zwischen 13:30 und 17:00 Uhr werden hier die Bürgersteige hochgeklappt und die bis vor kurzem noch so lebhaften Straßen sind plötzlich sehr menschenleer.

Geschlossene Geschäfte können auch interessant sein

Unter Pilgern und Geiern

01. bis 03. Oktober 2023

Nach der langen Zeit am Atlantik beschließen wir einen Abstecher in die Pyrenäen zu machen und über den Ibaneta-Pass nach Spanien weiter zu reisen. Unser nächstes Ziel ist Saint-Jean-Pied de Port. Dort treffen drei französische Jakobswege zusammen, die Pilger können sich hier auf den Camino Frances begeben und mit der Überquerung der Pyrenäen beginnen.

Wir waren gespannt auf diesen Ort, da wir mit der Idee liebäugeln, irgendwann ein Stück des Jakobswegs zu gehen. Bei der Ankunft sind wir sogleich von Pilgern umgeben. Erste Gespräche auf dem Campingplatz, mit Wanderern und Fahrradfahrern, die mit Zelt unterwegs sind. Beim Rundgang durch den Ort überall das Symbol der Jakobsmuschel: als Wegweiser auf Schildern und dem Straßenpflaster, als Hinweis für die unterschiedlichsten Übernachtungsmöglichkeiten und Ausrüstungsläden oder an Rucksäcken baumelnd.

Wir tauchen ein in die besondere Atmosphäre des Ortes, wundern uns über manches, wie beispielsweise Menschen mit Rollenkoffern vor dem örtlichen Pilgerbüro: Es gibt organisierte Reisen mit Gepäcktransport und Übernachtungen in besonderen Hotels oder Herbergen. Man trifft aber auch Menschen mit schweren Rucksäcken um die 20 Kilo. Schnell wird deutlich, dass es die typische Pilgerin/ den typischen Pilger nicht gibt. Am Abend nehmen wir an einer Messe teil, die sehr ergreifend ist, obwohl wir nicht viel verstehen. Hier hören wir zum ersten Mal die katalanische Sprache.

Während der Messe gibt es einen Segen für die Pilger

Am nächsten Tag winden wir uns mit dem Bus die Passstraße hoch, 800 Meter auf 25 Kilometer, besuchen das Kloster Roncesvalles und gehen von dort aus unser erstes Stück Jakobsweg durch Wiesen, Wälder und kleine Orte. An diesem Tag treffen wir immer wieder eine Reisegruppe, die mit dem Bus unterwegs ist und anscheinend nur kleine Strecken ohne Gepäck zurücklegt: alle tragen an einer Kordel die Jakobsmuschel um den Hals, das allgegenwärtige Erkennungszeichen des Jakobwegs. Auch in den folgenden Tagen kreuzen wir immer wieder den Weg und sehen viele Pilger. Mal sehen, wann wir starten …

Das Kloster Roncesvalles unterhalb des Passes

Die Schlucht von Lumbier

Die Landschaft der Pyrenäen begeistert uns zunehmend und wir beschließen noch für einige Tage in der Region Navarra zu bleiben und steuern die Schlucht von Lumbier an. Die Schlucht kann auch mit dem Fahrrad befahren werden, da der Weg mit geringer Steigung auf einer alten Bahntrasse verläuft.

Unterwegs passiert man einige längere Tunnel, die in den Fels geschlagen wurden. Hier benötigt man eine gute Fahrradbeleuchtung oder eine Taschenlampe. Schon die hohen zerklüfteten Wände der Schlucht sind sehenswert, was uns jedoch den Atem verschlägt, sind die vielen Gänsegeier, die über unseren Köpfen ihre Runden drehen. Ihre Rufe werden von den Wänden der Schlucht reflektiert. Manchmal steuern sie eine der unzähligen Felsnischen an, um dort eine Rast einzulegen. Es sieht einfach majestätisch aus, wie sich die riesigen Vögel ohne einen Flügelschlag von der Thermik tragen lassen und nach Beute Ausschau halten, die sie mit ihren guten Augen noch aus drei Kilometern Entfernung entdecken können.

Allerdings finden die Aasfresser immer schwieriger Nahrung, da die Bauern tote Schafe heutzutage nicht mehr auf den Wiesen liegenlassen dürfen. Wir fragen uns, ob die Population der Gänsegeier in dieser Schlucht so groß ist, weil die Vögel gefüttert werden? Leider finden wir keine Antwort auf diese Frage.

Auch der auf einem Felsen gelegene Ort Lumbier ist sehenswert

Und dann entdeckten wir noch…

Überall am Wegrand Pyrenäen-Krokusse, die im Herbst blühen

Die letzten Tage in Frankreich

25. bis 28. September 2023

Bordeaux

Aktuell finden in Frankreich die Rugby-Weltmeisterschaften statt und Bordeaux ist einer der Austragungsorte. Keine gute Voraussetzung, um in Stadtnähe einen Stellplatz für die Übernachtung zu finden. Aber wir wollten uns diese Stadt ansehen und sind daher auf einen kleinen Campingplatz in der Peripherie ausgewichen. In der Nähe gab es einen Bahnhof und der Transfer in die Stadt dauerte nur etwa 30 Minuten.

Kathedrale St. André

Die Begeisterung, die wir bei der Besichtigung anderer Städte empfanden, wollte hier jedoch nicht eintreten. Was jedoch nicht an Bordeaux lag, sondern eher daran, dass wir in den vergangenen Wochen und Monaten schon so viele Städte gesehen hatten und die Temperaturen wieder einmal 30 Grad überschritten, was für einen Streifzug durch die Stadt nicht gerade optimal ist.

Museum Cité du vin von XTU architects

Etwas entfernt vom sehenswerten Museum Cité du vin von XTU architects, welches wir uns nur von außen angeschaut haben, weil wir nicht schon um 11 Uhr vormittags die dort obligatorische Weinprobe machen wollten, liegen die U-Boot Bunker, die während des Zweiten Weltkriegs von der deutschen Wehrmacht gebaut wurden. Auch hier also wieder die Zeugnisse einer beschämenden Vergangenheit. Allerdings hat man heute die Möglichkeit einer friedlichen Umnutzung gefunden.

Die Bunker nennen sich heute Bassins des Luminièrs und dort werden jährlich wechselnde Video-Installationen gezeigt. Aktuell »Dalí – the endless enigma«. Über Brücken überquert man die Becken, in denen einst die deutschen U-Boote lagen und an die Wände und auf die Wasseroberfläche projizieren Beamer eine Installation über das Lebenswerk von Salvador Dalí, unterlegt von Musik der Band Pink Floyd. Zu Beginn war die Installation etwas gewöhnungsbedürftig. Nach und nach zog sie uns jedoch immer stärker in ihren Bann.

Abenteuer Werkstattsuche

Bereits im Elsass ­ und damit für uns unerwartet früh ­ meldete der Bordcomputer des Busses einen bevorstehenden Ölwechsel an. Der täglich rückwärts laufende Countdown begleitete uns in den vergangenen Wochen, doch wir wischten die Gedanken an die bevorstehende Werkstattsuche beiseite. Irgendwann mahnte das Display unmissverständlich: Ölwechsel jetzt! Das war gerade nicht so passend, da wir uns auf der Insel D’Oleron befanden und dort die Werkstattdichte nicht sehr hoch ist. Auch bei unserem nächsten Stopp in der Stadt Bordeaux wollten wir nicht so gerne auf Werkstattsuche gehen.

Seebrücke in Arcachon

Aber Arcachon schien uns passend. Eine Stadt, nicht zu groß und nicht zu klein: Eine gute Auswahl an Werkstätten schien es dort zu geben, wie unsere Vorrecherche ergab. Einige Werkstattketten bieten die Buchungen von Werkstattterminen an. Prima, dachten wir: Problem gelöst. Aber leider funktioniert dieser Service nicht, wenn man mit einem deutschen Fahrzeug durch Frankreich fährt. Immer wenn man wie gefordert das Kennzeichen eingibt, meldet das System einen Fehler. Da hilft es auch nicht, ein französisches Fantasiekennzeichen einzugeben. Das System erkennt sofort, ob die Nummer zum Fahrzeug passt.

Also mussten wir ohne Termin eine Werkstatt ansteuern. Nicht so schlimm, dachten wir: In ein bis drei Tagen würden wir sicherlich einen Termin erhalten.

Im Hafen von Arcachon

In der Praxis gestaltete sich die Werkstattsuche dann deutlich schwieriger. In Werkstatt Nummer eins winkte man nur ab, als wir unsere Terminvorstellung nannten. Ein Ölwechsel wäre frühstens in zehn Tagen möglich. Werkstatt Nummer zwei benötigte 10 Tage für die Bestellung des Ölfilters. Die Werkstätten drei und vier kamen für uns nicht infrage, weil es ziemlich rumpelige Hinterhofschrauber waren. Kfz-Werkstatt fünf und sechs konnten uns erst in zwei bis drei Wochen Termine anbieten. In der letzten Werkstatt gab man uns jedoch den Tipp, es bei einer uns bislang unbekannten französischen Werkstattkette zu versuchen.

Dort trafen wir auf eine Mitarbeiterin, die Englisch sprach und sich ernsthaft unseres Problems annahm, was gar nicht so einfach war. Die in der deutschen Zulassungsbescheinigung aufgeführten Kennziffern für die Ersatzteilsuche funktionieren hier nicht. Anhand von Baujahr, Motorisierung und weiterer Daten musste erst mühsam ermittelt werden, welchen Ölfilter wir benötigen. Als das endlich geschafft war, wurde es spannend. Welchen Terminvorschlag würde ich bekommen? In drei Tagen sollten wir vorbeikommen. Als ich der Servicemitarbeiterin erzählte, dass wir uns auf der Durchreise befinden und extra für den Termin ein paar Tage länger in der Stadt bleiben müssten, wurde unser Bus sogar noch am nächsten Tag dazwischengeschoben.

Mit frischem Öl am Cap de L’Homy

Alles lief sehr fair und professionell ab. Sogar die aufwändige Demontage und Montage unseres Unterfahrschutzes wurde nicht extra berechnet und der Wagen wurde zudem noch durchgecheckt.

Insgesamt ein tolles Serviceerlebnis.

Generell waren wir jedoch sehr überrascht, wie aufwändig es ist, ein scheinbar so kleines Problem unterwegs zu lösen. Dieser Ölwechsel hatte sehr viel Zeit und Nerven gekostet. Die Vorrecherchen, die Werkstattsuche und der eigentliche Werkstatttermin hatten sicherlich acht bis zehn Stunden in Anspruch genommen. Es bleibt nach diesem Erlebnis zu hoffen, dass wir uns nicht allzu häufig auf die Suche nach einer Werkstatt begeben müssen.

Und dann war da noch…

… die letzten Tage am wilden Atlantik

Am Suferstrand Cap de l’Homy

La Rochelle und Île d’Oléron

20. bis 24. September 2023

Allmählich bewegen wir uns entlang der Atlantikküste in Richtung Süden. Unsere nächsten Ziele sind La Rochelle und die Île d’Oléron.

La Rochelle

Hafeneinfahrt von La Rochelle

Diese Stadt ist sicherlich die sehenswerteste auf unserer bisherigen Route entlang des Atlantik. Der historische Hafen wird eingerahmt von zwei Wehrtürmen an der Hafeneinfahrt und der obligatorischen Stadtmauer. Um den Hafen herum erstreckt sich die Altstadt mit kleinen Gassen, in denen sich viele Restaurants befinden und größeren Boulevards, teils mit Arkaden, wo man interessante kleine Geschäfte findet.

La Rochelle hat eine sehr bewegte Vergangenheit. Bis zum 15. Jahrhundert verfügte die Stadt über den größten Hafen Frankreichs. Im 16. Jahrhundert überzogen erbitterte Religionskriege das Land, von denen auch La Rochelle nicht verschont wurde. Die Stadt wurde 1570 zur Hauptstadt des Protestantismus erklärt.

1627 geriet die Stadt in einen Konflikt mit Ludwig XIII und wurde zwei Jahre von Kardinal Richelieu belagert. Als der Bürgermeister Guiton am 30. Oktober 1628 kapitulierte, fanden die Eroberer in der Stadt unzählige Leichen. Von den einst 28.000 Einwohnern hatten nur 5000 überlebt.

Erneute traurige Berühmtheit erlangte La Rochelle in der Kolonialzeit. Der Hafen spielte eine wichtige Rolle im Überseehandel mit Kanada und beim Sklavenhandel mit Afrika. Belegt sind über 400 Schiffsverbindungen, deren Fracht aus Sklaven bestand.

Île d’Oléron

Von La Rochelle aus, machen viele Urlauber einen Abstecher auf die Île de Ré. Um den Tagestourismus etwas zu begrenzen, wird ein kräftiger Brückenzoll erhoben. Vermutlich genauso schön und weniger stark besucht ist die Schwesterinsel Île d’Oléron, auf der wir drei Tage verbracht haben. Die Île d’Oléron ist die zweitgrößten französischen Insel.

Wir waren überrascht von der Vielfältigkeit der Natur und den kleinen Orten und Städten. Zunächst waren wir auf einem Campingplatz in der Mitte der Insel und radelt von dort aus vorbei an Austerzuchtbecken zum Ort Le Chateau d’Oléron mit seiner alten Zitadelle und den bunten Hütten am Hafen, wo Künstler und Handwerker ihren Werkstätten und Läden haben.

Zitadelle von Le Chateau d’Oléron

Überrascht waren wir auch davon, dass sich in der Mitte der flachen Insel viele Weingüter befinden. Am Abend haben wir einen dieser Weine probiert, der uns wirklich gut geschmeckt hat.

Jetzt in der Nachsaison fuhren immer noch eine Menge Reisende über die Brücke, welche die Hauptverbindung auf die Insel ist. Man mag sich kaum vorstellen, welche Touristenmassen hier in der Hauptsaison einfallen.

Soziale Kontakte auf der Reise

Wenn man unser Heimatland mitrechnet, sind wir nun bereits durch 10 Länder gereist.

Bevor wir nach Frankreich kamen, haben wir Länder bereist, deren Sprache wir überhaupt nicht beherrschten. Dort hatten wir oft die Erfahrung gemacht, dass die Menschen, die wir trafen, bereit waren, mit uns auf Englisch oder mit Händen und Füßen zu kommunizieren.

Meist erleben wir auf der Reise europäischen Teamgeist, jedoch nicht immer

Auch in Frankreich begegnen uns Menschen, die ebenso freundlich und hilfsbereit sind, wie wir es bislang überall erlebt haben. Dennoch erleben wir das Land auf der Kommunikationsebene anders, als auf unserer bisherigen Reise. Wir verfügen zwar über einige Französischkenntnisse, die für alltägliche Situationen oft ausreichen, nicht jedoch für ein richtiges Gespräch und so haben wir hier wenig bis gar keinen Kontakt zu Einheimischen. Wir haben überlegt, woran dies liegen könnte und mehrere Theorien entwickelt.

Unsere bisherigen Reiseländer hatten immer vergleichsweise wenige Einwohner. Vermutlich sind sie daher häufig geübter, mit Fremden oder in der Fremde auf Englisch oder mit Händen und Füßen zu kommunizieren.

In Frankreich werden wir auch von Personen, die auf professioneller Ebene mit Touristen zu tun haben (beispielsweise auf Campingplätzen) meist in der Landessprache angesprochen. Das ist auch durchaus in Ordnung so. Aber auch wenn zu erkennen war, dass wir sichtliche Probleme hatten, Erklärungen zu verstehen, wurde das Gespräch meist nicht auf Englisch weitergeführt. Beim Einkaufen erlebten wir teils sogar sehr ungehaltene Reaktionen. In der Regel mussten wir aktiv darum bitten, die Konversation in Englisch weiterführen zu können.

Wir haben die Franzosen durchaus als kontaktfreudig erlebt, aber wenn wir Verständigungsprobleme signalisierten, endete die Gesprächsbereitschaft meist abrupt. Wir können uns nicht vorstellen, dass dies in jedem Fall an fehlenden englischen Sprachkenntnissen liegt, da diese Weltsprache sicherlich auch in Frankreich seit Jahrzehnten in der Schule unterrichtet wird.

In Zügen und im ÖPNV gibt es häufig keine Informationen oder Ansagen für ausländische Reisende. Auch in Museen findet man zum Teil keine Erläuterungen in englischer Sprache. Das haben wir bislang in dieser Häufung noch in keinem anderen Land erlebt.

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Park natural de Brière

19. September 2023

In den vergangenen 14 Tagen sind wir immer entlang der bretonischen Küste gereist, da bietet ein Abstecher in das Landesinnere eine willkommene Abwechslung. Unser nächstes Ziel ist der Park natural de Brière, eine Sumpf- und Lagunenlandschaft, die südlich der Bretagne zwischen den Mündungen der Flüsse Vilaine und Loire liegt.

In einem Reiseführer wurde dieses Gebiet auch als Spreewald Frankreichs bezeichnet. Dieser Vergleich ist ganz passend, denn das Gebiet wird von Kanälen durchzogen, die von Kähnen befahren werden, welche nicht mit Rudern, sondern mithilfe langer Holzstangen vorangetrieben werden.

Die Hälfte des Brière ist von Schilf bedeckt und dort leben sehr viele Vogelarten. Regelmäßig ändert sich der Wasserspiegel in diesem Gebiet: Im Herbst und Winter steigt er stetig an, um dann bis zum Sommer wieder abzusinken. Die Differenz der Wasserstände kann im Jahresverlauf bis zu zwei Meter betragen.

Im Rückblick hatten wir uns etwas mehr von diesem Abstecher erhofft. Die berühmten Kähne lagen zwar im Wasser, wurden jedoch nicht genutzt. Die Touristen-Saison ist vorbei und damit auch das Angebot von Fahrten auf den Kanälen. Leider kann man das Gebiet zu Fuß oder mit dem Fahrrad kaum erkunden. Brücken über die Kanäle gibt es nicht und das Gebiet ist sehr sumpfig. Aber Google Maps kennt scheinbar jeden kleinsten Trampelpfad und so sind wir auf einem Weg, der sonst wohl nur von Jägern ofer Vogelkundlern genutzt wird, doch noch ins Innere des Parks gelangt.

Und da wurde es einsam, aber auch interessant. Wir trafen dort keine Menschen und scheuchten nur ab und zu einige Reiher und Wasservögel auf. Sehenswert waren die Grasbüschel, die sich wie kleine Inseln aus dem Wasser erhoben.

Unser Aufenthalt im Nordwesten Frankreichs ist nun beendet. Wir werden jetzt längere Etappen zurücklegen, um uns Spanien zu nähren. Spätestens Anfang Oktober möchten wir die französisch-spanische Grenze überqueren. Als nächstes steuern wir die Hafenstadt La Rochelle an.

Aus aktuellem Anlass: Umgang mit Nachrichten

Auch auf unserer Reise setzen wir uns mit den aktuellen Nachrichten auseinander. Vielleicht ist es möglich für die Zeit eines Urlaubs mal das Weltgeschehen etwas aus zu blenden, aber für ein ganzes Jahr…. ? Wir informieren uns wie sonst auch täglich und sind teils bedrückt wegen der Fülle der Nachrichten über Kriege, zu politischen Entwicklungen und zum Klimawandel. Manchmal fragen wir uns auch, wie viele Informationen wir aufnehmen sollten.

Aber andererseits wieder gibt es Entwicklungen und Ereignisse, die uns besonders nahe gehen. Zurzeit verfolgen wir sehr intensiv die Nachrichten bezüglich Bergkarabach. Mit den Menschen in Armenien sind wir durch ein Patenschaftsprojekt und eine Reise vor einem Jahr sehr verbunden und sehen die Vereinnahmung durch Aserbaidschan mit großer Sorge und Hilflosigkeit. Auch das politische Gefüge in Deutschland, besonders auch in Thüringen, trägt nicht immer zur guten Laune bei. Wir können während unserer Reise dies alles nicht verändern und teils fehlt uns der Austausch mit anderen Menschen über all diese Themen. Aber wir haben auch Zeit, uns mit eigenen Einstellungen zu aktuellen Themen auseinander zu setzen, manche Einstellung gar zu revidieren und zu überlegen, was wir tun können.

GR 34: Der Zöllnerpfad

18. September 2023

In der Bretagne treffen wir immer wieder auf den Fernwanderweg GR 34, der über 2000 km von Saint Malo bis Saint- Nazaire an der bretonischen Küste entlang führt. Angelegt im 17. Jahrhundert war dies ursprünglich ein Weg für Zöllner mit der Aufgabe, das Land vor Schmugglern, Wrackplünderern und Zollbetrügern zu schützen.

Schon auf dem Weg zum Cap Frehel und in der Gegend um Paimpol folgen wir dem Weg zunächst mit dem Fahrrad, soweit dies möglich ist. Allerdings stellen wir schnell fest, dass die wirklich schönen Abschnitte nur zu Fuß zu erkunden sind, da es tatsächlich oft nur ein schmaler Pfad ist. So unternehmen wir von den Campingplätzen, die meist direkt am Wanderweg liegen, zunächst einige Spaziergänge und legen später dann drei Wandertage ein. Einen an der Küste der Legenden, einen auf der Halbinsel Crozon und einen auf der Rhuys-Halbinsel.

Die erste Wanderung verläuft eng an der Küste und nimmt jede Bucht und jede Landspitze mit. Immer wieder erheben sich Felsen im Meer und auch an Land.

Teils wird der Weg von Dünen gesäumt oder landeinwärts von Gemüsefeldern, auf denen Kohl, Zwiebeln oder Artischocken wachsen.

Da wir größtenteils bei Ebbe wandern, liegen in einigen Buchten kleine Schiffe auf Sand.

Am Ende erreichen wir den Strand Plage des Amiets, ein breiter Sandstrand mit klarem blauen Wasser umrandet von Granitfelsen.

Unser Bad im Meer ist erfrischend, aber bleibt nicht ohne Folgen: Jörg wird von einem Petermännchen gestochen, der Fuß ist stark gerötet und schmerzt.

Petermänchen Bildquelle: Roberto Pillon Wikipedia

Recherchen im Internet über diesen Giftfisch lassen Schlimmes befürchten, aber nach einer längeren Pause können wir doch den Rückweg antreten. Es ist zwar der gleiche Weg, aber es eröffnen sich immer wieder neue Aussichten.

Ein ganz anderes Bild bietet sich an unserem zweiten Wandertag. Wir umrunden eine Spitze der Halbinsel Crozon, laufen meist durch eine Heidelandschaft hoch über den Felsenklippen, die teils 60 Meter hoch sind.

Die Festungen aus dem 18. Jahrhundert wurden im 2. Weltkrieg von den deutschen Besatzern teilweise genutzt und zur Festung Brest ausgebaut.
Point des Espanols – eine Festung aus dem 18. Jahrhundert – die vermutlich ebenfalls von den deutschen Besatzern genutzt wurde.

Der Weg ist gesäumt von alten militärischen Anlagen und am Ende erreichen wir den Point des Espagnols an der Spitze der Halbinsel, mit einem Blick auf Brest.

Auf der Halbinsel Rhuys, die den Atlantik vom Golf von Morbihan trennt, wandern wir an der Golfseite entlang. Auch hier geht der Weg zwar eng am Wasser, aber er ist teils durch wilde dichte Hecken gesäumt, sodass wir außerhalb der vielen kleinen Buchten mit Booten nur ab und an einen Blick aufs Wasser werfen können. Teils laufen wir durch Salzwiesen und einen Teil des Weges ist von riesigen Zypressen gesäumt.

Die Wanderungen entlang der Küste waren in ihrer Vielfältigkeit ein besonderes Erlebnis und eine auch gute Abwechslung zum Radfahren. Zumal wir mit unseren Klapprädern wegen mancher steilen Anstiege ganz schön gefordert waren und teils aus der Puste kamen. Da hatten es all die E-Bikefahrer leichter, von denen wir umgeben waren.